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Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin

Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin

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Kind der DDR, Kanzlerin und mächtigste Frau der Welt: Angela Merkel befindet sich in ihrer vierten Amtszeit und den letzten Monaten als Regierungschefin der Bundesrepublik Deutschland. Nach 16 Jahre Kanzlerschaft endet im September nicht nur eine Epoche, sondern eine Ära der Macht. Exklusiv für TVNOW hat die UFA Documentary in Zusammenarbeit mit UFA Fiction eine fünfteilige Dokumentation über die Lebensgeschichte von Angela Merkel produziert. Autor ist Stefan Aust, Journalist und Herausgeber der WELT und WELT AM SONNTAG, sowie langjähriger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, seine Ko-Autorin ist Katrin Klocke, langjährige leitende Redakteurin von SPIEGEL TV. Aktuell steht „Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“ auf TVNOW zum Streamen bereit.

„Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“ ist die Geschichte einer außerordentlichen Machtpolitikerin in einer spannenden politischen Zeit. Chronologisch zeichnet die fünfteilige Dokumentation Angela Merkels bewegtes Leben anhand von Archivaufnahmen nach. Von ihrer Geburt und ihrem Aufwachsen im Sozialismus, der Wende, dem Aufstieg in der CDU bis hin zum Parteivorsitz und der Kanzlerschaft. Was hat ihre Zeit ausgemacht und welchen Einfluss hat sie auf die deutsche und die internationale Politik – und mit welchen Entscheidungen wird sie im Gedächtnis der Deutschen bleiben? Stefan Aust und Katrin Klocke zeigen, arrangieren und verdichten Aufnahmen, wie man sie selten von der ersten Frau im Bundeskanzleramt gesehen hat. Dabei entsteht das bisher umfassendste und größte filmische Portrait von Angela Merkel, deren langjährige Amtszeit alles andere als frei von zahlreichen Prüfungen und Krisen war.

„Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“ ist eine Produktion der UFA Documentary in Zusammenarbeit mit der UFA Fiction und Stefan Aust für TVNOW. Produzenten sind Nico Hofmann, Marc Lepetit und Sebastian Werninger. Als Drehbuchautor und Regisseur für das Filmprojekt zeichnet Stefan Aust verantwortlich, der bereits für die Dokumentation „Hannelore Kohl – die erste Frau“ sehr erfolgreich mit der UFA Fiction zusammenarbeitete.

Stefan Aust

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„Die Dokumentation zeigt das politische Abenteuer einer Frau aus dem Osten mit kirchlich-sozialistischem Hintergrund, angepasst an das System der DDR, die in der Wendezeit ihre Chance ergriff und sich nach oben an die Spitze einer Partei kämpfte, mit der sie ursprünglich kaum Übereinstimmungen hatte. Sie war stärker als die Männer in ihrer Partei und ließ viele von ihnen am Rande der Geschichte liegen. Sie veränderte, modernisierte die Partei, weitete sie nach links aus – und ließ damit am rechten Rand Raum für rechte Parteien. Die CDU schrumpfte, die SPD ebenfalls, die politische Landschaft nach Merkel ist anders als vor ihrer Zeit.“

Nico Hofmann, CEO UFA GmbH

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„Angela Merkel hat mich sechzehn wichtige, vielleicht die wichtigsten Jahre meines Lebens begleitet und diese filmische Annäherung an eine sehr besondere Karriere in Deutschland ist ein sehr besonderes Programm: Stefan Aust zeigt nicht nur die Vielschichtigkeit eines politischen Aufstiegs, der viel mit der Geschichte unseres Landes zu tun hat: Angela Merkels Vergangenheit in der DDR, der Fall der Mauer, der Zusammenprall zweier deutscher Systeme, zweier ganz unterschiedlicher Haltungen zur Politik, (Helmut Kohl mag da nur die Speerspitze seiner Generation gewesen sein), der Aufstieg einer Frau in die Weltpolitik, mit allen Widrigkeiten, die das politische und gesellschaftliche Leben parat hält – von Fukushima zu Corona, von den Flüchtlingen aus Nordafrika zum Erstarken populistischer, rechter Bewegungen, nicht nur in Deutschland. Stefan Aust und ich haben nicht immer den gleichen Blick auf diese einzigartige Karriere: ich empfinde mehr Nähe, Empathie und ehrliche Betroffenheit auf Seiten der Kanzlerin in den letzten Jahren, für Stefan bleibt doch das Kalkül, das politische Machtstreben im Zentrum. So entstand aber eine großformatige, detaillierte Wegbeschreibung einer langen, prägenden und politisch beeindruckenden Kanzlerschaft – in all ihren Widersprüchen.“ 

Henning Tewes, RTL-Geschäftsführer und Co-Geschäftsleiter TVNOW

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„Angela Merkel hat Deutschland in besonderem Maße bewegt und geprägt. Sie ist nicht nur die erste deutsche Bundekanzlerin, sie blickt mit ihrem ehemaligen Förderer Helmut Kohl auch auf die längste Amtszeit zurück. Mit ihrem Ausscheiden endet eine Ära, die Stefan Aust und die UFA Documentary in Zusammenarbeit mit der UFA Fiction nun in der fünfteiligen Dokumentation „Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“ in aller Ausführlichkeit und Tiefe exklusiv für TVNOW nachzeichnen. Entstanden ist ein spannendes Porträt einer außergewöhnlichen Frau, verbunden mit einer Reise durch die jüngere deutsche Geschichte. Von solchen Porträts über Menschen, die Deutschland bewegen oder bewegt haben, wollen wir im Zuge des Ausbaus von TVNOW künftig noch mehr anbieten.“

Episode 1 (1954 – 1990) | Ein Kind der DDR

Nach Angela Merkels Geburt zog die Familie in die DDR, weil ihr Vater eine Stelle als Pfarrer in der Ortschaft Templin bekam. In der Uckermark wuchs sie auf, war eine sehr gute Schülerin und zeichnete sich in Wettbewerben für Mathematik und Russisch aus. Mit Dokumentaraufnahmen und Interview-Passagen u. a. aus einem Gespräch, das Autor Stefan Aust 2005 gemeinsam mit dem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher mit Merkel führte, wird ihre Kindheit in der DDR, die Anpassung an das sozialistische System des „Arbeiter- und Bauerstaates“ und ihr Studium der Physik dargestellt. Nach dem Mauerfall schloss sie sich dem „Demokratischen Aufbruch“ an und arbeitete als Pressesprecherin des Vorsitzenden Wolfgang Schnur, der kurz vor der ersten und letzten freien DDR-Wahl als Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes enttarnt wurde. Nach der DDR-Wahl im März 1990 wurde Angela Merkel stellvertretende Regierungssprecherin unter Ministerpräsident Lothar de Maizière und begleitete die Verhandlungen zur Wiedervereinigung.

Episode 2 (1990 – 2000) | Die Aufsteigerin

Angela Merkels Partei „Demokratischer Aufbruch“ schloss sich der DDR-CDU an, die im Verlaufe des Jahres 1990 in der West-CDU aufging. Damit war Angela Merkel Mitglied der Christlich Demokratischen Union und wurde nach de Maizières Ausscheiden dessen Nachfolgerin an der Spitze der Partei. Es begann der politische Aufstieg Merkels in der West-Politik, wo sie aufgrund ihrer Förderung durch den Kanzler oft als „Kohls Mädchen“ bezeichnet wurde. Der Film zeigt ihre ersten Jahre als Ministerin für Jugend und Familie nach der Bundestagswahl 1990, ihre Reisen in ihren Wahlkreis und ihre ersten Fernsehauftritte. 1994 wurde sie nach einer weiteren von Helmut Kohl gewonnenen Bundestagswahl Umweltministerin und beschäftigte sich mit den Problemen der Atomenergie und anderen Fragen. Der Film begleitet sie bei dieser für sie prägenden Beschäftigung mit Umwelt- und Energieproblemen und bei den Wahlen 1998, die Helmut Kohl verlor. Gerhard Schröder wurde Kanzler in einer Rot-Grünen Koalition. Jetzt ging es um die Frage, wer in der Opposition die Rolle an der Spitze der CDU übernehmen sollte. Zunächst wurde Wolfgang Schäuble zum Parteivorsitzenden gewählt, Angela Merkel wurde Generalsekretärin der CDU. Doch plötzlich wurden illegale Parteispenden an die CDU zum beherrschenden Thema. Merkel widmete sich gegen heftige Widerstände in ihrer eigenen Partei der Aufklärung und wandte sich dabei von ihrem Mentor Kohl ab. Ohne Wissen des Parteivorsitzenden Schäuble veröffentlichte sie einen Artikel in der FAZ, in dem sie sich im Namen der CDU von Kohl distanzierte. Als auch Schäuble eine dubiose Spende zugeben musste, trat er zurück. Angela Merkel wurde CDU-Parteivorsitzende – und war damit auf dem Sprungbrett zur Kanzlerschaft.

Episode 3 (2000 – 2011) | Der Weg zur Macht

Als CDU-Vorsitzende war Angela Merkel nun Oppositionsführerin – und galt damit als mögliche nächste Kanzlerin. Als Kritikerin des Bundeskanzlers Schröder war sie für eine Solidarität mit den USA – auch bei einem möglichen Kriegseinsatz gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein. Schröder lehnte den Irak-Einsatz vehement ab – und gewann u. a. damit den Wahlkampf 2002. Angela Merkel ließ dem bayrischen Ministerpräsidenten Stoiber bei der Kandidatur den Vortritt – und ist deshalb auch nicht die Verliererin. 2005 verlor die SPD in Folge der umstrittenen „Agenda 2010“ verschiedene Landtagswahlen. Als auch das Sozialdemokratische Stammland Nordrhein-Westfalen für die SPD verloren ging, versuchte Schröder die Flucht nach vorn. Er zieht durch ein Misstrauensvotum die Bundestagswahlen nach vorn. Jetzt war Merkel die Kanzlerkandidatin der Union und konnte einen hauchdünnen Vorsprung vor der SPD erzielen. Obwohl rechnerisch auch eine „Ampel-Koalition“ von SPD, Grünen und FDP möglich wäre, ließ die SPD Schröder fallen und trat als Partner in eine Große Koalition ein. Angela Merkel war jetzt die erste Frau an der Spitze einer Bundesregierung, die erste deutsche Bundeskanzlerin. In der Groko setzte sie die sozialdemokratische Politik ihres Vorgängers weitgehend fort – und nahm damit der SPD einen Teil ihrer Themen. Als frühere Umweltministerin erkannte sie die politische Bedeutung der Umwelt- und vor allem der Klimapolitik und übernahm viele Forderungen der globalen Bewegung für Klimaschutz und CO2-Reduzierung. Sie hat die CDU neu ausgerichtet, manche sagen „modernisiert“, manche sagen „sozialdemokratisiert“ oder nach „links verschoben“. Die SPD verlor 2009 die Bundestagswahl, Merkel bildete eine Koalition mit der FDP. Die Kanzlerin übernahm immer mehr Positionen, für die die Sozialdemokraten einst standen. So etwa die Aussetzung der Wehrpflicht, die einer Abschaffung gleichkam. Nur in der Energiepolitik ging sie zunächst auf Gegenkurs, indem sie den Rot-Grünen Atomkompromiss der Regierung Schröder aufhob. Gemeinsam mit den Liberalen verlängerte sie die Laufzeit der Atomkraftwerke – bis es in Japan zu einer Katastrophe kam: eine Tsunami-Welle überrollte das Atomkraftwerk Fukushima…

Episode 4 (2011 – 2017) | An der Spitze der Macht

Nachdem eine Tsunami-Welle zu einer Explosion in einigen Reaktorblöcken des japanischen Atomkraftwerks Fukushima führte, änderte Bundeskanzlerin Angela Merkel abrupt ihre Politik. Wenige Monate nachdem ihre Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland verlängert hatte, ging sie auf Gegenkurs. Jetzt galt es, möglichst schnell den Ausstieg aus der Kernenergie anzugehen. Die gerade bevorstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg gingen dennoch verloren. Die Grünen übernahmen die Macht in Stuttgart. Bei den Bundestagswahlen 2013 scheiterte die FDP an der 5 Prozent-Hürde und Merkel regierte wieder mit der SPD in einer Großen Koalition. Es ist ihr bis dahin größter Wahlsieg. Doch im Zuge des Krieges in Syrien machten sich immer mehr Flüchtlinge und Migranten auf den Weg nach Deutschland. In Deutschland entstand eine Bewegung gegen die Zuwanderung. In einer Diskussion mit einer jugendlichen Schülerin mit palästinensischer Herkunft macht die Kanzlerin deutlich, dass nicht jeder Migrant in Deutschland bleiben könne. Dieser Auftritt erregt in den Medien große Empörung – und Merkel lernt ihre Lektion. Nun tritt sie vermehrt für Migration nach Deutschland ein, besucht Flüchtlingslager und lässt Selfies mit sich machen. Langsam wird sie zum Symbol der Willkommens-Kultur. Zugleich kommt es in Frankreich und anderswo zu terroristischen Aktionen aus der islamistischen Szene. In Deutschland radikalisiert sich die Rechte weiter. Auch in der Union kritisieren viele Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Bei den nächsten Wahlen erringt die AfD immer höhere Wahlergebnisse. Währenddessen kann die Kanzlerin in Hamburg den Großen G 20-Gipfel abhalten, in dessen Verlauf es in ihrer Geburtsstadt Hamburg zu schweren Ausschreitungen vor allem von Seiten der linken Szene gibt.

Episode 5 (2017 – 2021) | Die mächtigste Frau der Welt

Noch einmal hat Angela Merkel sich entschieden, sich als Kanzlerin zur Wahl 2017 zu stellen. Es soll ihre vierte Amtszeit werden. Bei einem Besuch in Berlin drängte auch der scheidende US-Präsident Obama sie, noch einmal anzutreten. Es müsse im westlichen Lager jemand dem neu gewählten US-Präsidenten Trump die Stirn bieten können. Nach zwölf Jahren gilt sie inzwischen fast unbestritten als die „mächtigste Frau der Welt“. Doch die Probleme im eigenen Land nehmen zu. Die Zahl der Flüchtlinge ist inzwischen auf über eineinhalb Millionen gestiegen, Übergriffe von Migranten haben zugenommen, die rechte Szene nutzt Merkels Flüchtlingspolitik gleichsam als Konjunkturprogramm. Und bei allen Wahlen gewinnt die AfD massiv Wähler dazu. Bei den Bundestagswahlen wird sie größte Oppositionspartei. Die SPD wird immer schwächer und will in die Opposition. Der Versuch, aus Union, Grünen und FDP eine „Jamaika-Koalition“ zu schmieden, scheitert an der FDP, die sich nicht als Mehrheitsbeschaffer für eine vorwiegend grüne Politik benutzen lassen will. Am Ende lässt die SPD sich wiederwillig auf eine erneute Große Koalition ein. Merkel ist zum vierten Mal Kanzlerin. Aber ihre Macht beginnt zu bröckeln. Der neue bayrische Ministerpräsident Söder nimmt Stellung gegen ihre Migrationspolitik. Die erneuten Triumpfe der AfD bei Landtagswahlen schwächen ihre Position auch in der eigenen Partei. Merkel entscheidet sich, nicht mehr als CDU-Vorsitzende anzutreten – und damit auch nicht noch einmal als Kanzlerin. Doch als Unterstreichung ihrer Flüchtlingspolitik reist sie zur Verabschiedung des UN-Migrationspaktes als einzige Chefin eines größeren Staates nach Marrakesch. Sie setzt sich für globale Ziele ein, trifft sich mit der „Fridays for Future“-Aktivistin Greta Thunberg und sieht Deutschland immer mehr in internationaler Verantwortung für Klima, Energie und Migration. Ihre politischen und humanitären Ziele wenden sich globalen Zielen zu. Dann bricht plötzlich eine Pandemie aus. Die Kanzlerin und ihre Regierung tun sich schwer bei der Beschaffung von Masken, der Organisation von Impfungen, der Abstimmung von Maßnahmen mit den Bundesländern. Die Kanzlerin tritt mehr und mehr für harte Lockdown-Maßnahmen ein, deren Durchsetzbarkeit und Wirksamkeit umstritten ist. Zugleich geht der Kampf um ihre Nachfolge in die nächste Runde. Bayerns Ministerpräsident Söder präsentiert sich an ihrer Seite als Hardliner, Laschet galt ursprünglich als Merkels Mann wird aber von der Kanzlerin aufgrund seiner Zweifel an ihrer immer härter werdenden Lockdown-Politik beiseitegedrängt. Die letzten Monate der Kanzlerschaft Angela Merkels sind von Machtverlust gekennzeichnet. Ein Platz in der Ahnengalerie des Kanzleramtes ist ihr sicher. Welcher, bleibt der Geschichtsschreibung überlassen…

Interview Stefan Aust

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Herr Aust, was erwartet die TVNOW Streamer in der Dokumentation „Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“?
In fünf Teilen machen wir eine Zeitreise in die bewegte Geschichte von Angela Merkel, die aus dokumentarischem Material zusammengestellt wurde. Dazu haben wir viele hundert Stunden von Aufzeichnungen gesichtet. Zum Teil ist es Material, das schon gesendet worden ist, aber auch viele Aufnahmen, die wir zum Beispiel im SPIEGEL-Archiv gefunden haben. So bauen wir aus dokumentarischen Materialien die Geschichte von Angela Merkel so gut es geht zusammen.

Wieviel werden wir Angela Merkel als Kanzlerin erleben, wieviel von ihr als Privatperson?
Privat geht es natürlich nur so weit, wie sie mal jemanden in ihre Privatsphäre hineingelassen hat. Das ist nicht sehr viel, aber ich glaube man bekommt trotzdem einen guten Blick in das Pfarrhaus. Wir haben keine Interviews mit Menschen geführt, die rückblickend etwas erzählen, weil ich immer meine Skepsis gegenüber Interviews von Leuten habe, die eine Einschätzung vornehmen. Wenn Sie irgendeine Episode haben, dann können Sie sich jemanden aussuchen, der sie kritisch betrachtet und genauso gilt das andersherum. Die Geschichte soll aus vorhandenen Materialien so konkret wie möglich erzählt werden. Merkels Leben haben wir für die Serie in verschiedene Phasen aufgeteilt. Die erste Phase ist die Geschichte ihres Lebens praktisch bis zum Ende der DDR. Die zweite Phase zeigt ihren Aufstieg in die Politik, Merkel als „Kohls Mädchen“ und ihre ersten Erfahrungen als Ministerin. Dann folgt der Abschied von Kohl, Schröder übernimmt. Eine sehr interessante Zeit in ihrem Leben, denn sie hat die Situationen genutzt, um ihre Karriere in der CDU, der damaligen Oppositionspartei, nach oben zu treiben. Zuletzt gibt es zwei Phasen, in der wir ihre Kanzlerschaft darstellen. Es sind also im Grunde fünf verschiedene Abschnitte, von denen zwei - die beiden entscheidenden - natürlich ihre Kanzlerschaft umspannen. Der Weg zur Macht ist aber mindestens genauso spannend.

Wie sollte eine gute Dokumentation, Ihrer Meinung nach, sein?
Eine gute Dokumentation muss dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sie muss zeigen, wie bestimmte politische Entwicklungen gelaufen sind, welche Schwierigkeiten es gab, wie diese gelöst worden sind und wie aus der einen Geschichte eine andere geworden ist. Wir haben versucht den Zeitlauf der Geschichte so präzise wie möglich abzubilden. Natürlich kann man nicht komplett neutral sein, das wollten wir auch nicht. Schon die Frage, welche Themen man vertieft darstellt und welche etwas weniger, ist natürlich die individuelle Entscheidung der Journalisten, die an dem Film arbeiten. Wir wollten den Film nicht mit eigenen Meinungen oder Anschauungen überfrachten, sondern neutral und nüchtern die Geschichte erzählen, aber auch so spannend, wie es geht. Das ist eine wahnsinnig fesselnde Geschichte, in der man nicht nur das Leben einer einzelnen Person, einer Politikerin, einer Karriere in einem wiedervereinten Deutschland aufzeichnet, sondern auch die Entwicklung dieses Landes. Es ist somit auch ein Blick auf die letzten 30 Jahre der deutschen Geschichte.

Wie nah waren Sie zur Dokumentation dran an Angela Merkel bzw. wie nah sind sie Ihr grundsätzlich?
Ich kenne Angela Merkel und sie kennt mich auch. Ich habe sie kennengelernt, als sie Parteivorsitzende war. Zu der Zeit habe ich sie auch mehrmals interviewt, danach auch als Bundeskanzlerin. Es ist nicht so, dass ich irgendwelche privaten Beziehungen zu Angela Merkel beziehungsweise Familie Merkel gehabt habe. Ich habe sie als Journalist kennengelernt. Ich war auch das ein oder andere Mal mit ihr und anderen Leuten zusammen essen und habe sie im kleinen Kreis erlebt. Sie kann dann übrigens sehr witzig und schlagfertig sein.
Um eine politische Entwicklung zu beurteilen ist es vielleicht gar nicht so gut, wenn man zu persönlich und zu nah dran ist. Ich habe nie einen großen Wert daraufgelegt, mit Politikern persönlich besonders eng zu sein.  Ich habe mich immer ein bisschen auf Distanz gehalten, um die Neutralität und den kritischen Abstand nicht zu verlieren.

Duzen tun Sie sich also nicht?
Mit Gerhard Schröder und Joschka Fischer war ich auf Du, das hat natürlich damit zu tun, dass wir so ungefähr eine Generation sind und uns schon viele Jahre kennen. Ich bin eigentlich mit Leuten und Politikern nur dann auf Du, wenn ich sie aus anderen Bereichen kenne. Um das aber nochmal deutlich zu sagen, dass ich mit Gerhard Schröder auf Du war, hat überhaupt nichts daran geändert, dass wir ihn, als er Kanzler war, kritisch betrachtet haben.

Können Sie sich an ihr erstes Aufeinandertreffen mit Angela Merkel erinnern?
Das ausführlichste Gespräch, das ich mit ihr geführt habe, war bei der Preisverleihung der Goldenen Feder, bei der ich ausgezeichnet worden bin als ich noch SPIEGEL-Chefredakteur war. Angela Merkel hat damals, ich glaube sie war Generalsekretärin, die Laudatio gehalten. An dem Abend habe ich mit ihr an einem Tisch gesessen und wir haben uns sehr lange und ausführlich unterhalten. Zu dem Zeitpunkt war sie politisch noch auf einem anderen Weg, damals war sie eher wirtschaftsliberal. Das hat sich später dann sehr stark geändert.

Was hat Deutschland, Europa und die Welt nach 16 Jahren Kanzlerschaft unter Angela Merkel zu verdanken?
Das sind unterschiedliche Phasen, das hängt immer davon ab, welche Sichtweise man selbst hat. Ein kleines Beispiel wäre die CDU, die sie stark verändert hat. Wenn Sie das kritisch betrachten, kann man sagen, dass sie aus der CDU, einer konservativ liberalen Partei, eine sozialdemokratische, grüne Partei gemacht hat. Auf der anderen Seite kann man das auch positiv sehen, denn dann hat sie die CDU modernisiert. Im Grunde können so alle verschiedenen Episoden betrachtet werden. Sie können sagen, dass sie liberal gedacht hat und viele Flüchtlinge und Migranten in das Land gelassen hat, so wie das auch der UN-Migrationspakt vorsieht. Trotzdem kann gesagt werden, dass sie damit zugelassen hat, innerhalb von gut zwölf Monaten fast 1,5 Millionen Leute ins Land hereinzulassen, die Integration aber nur bruchstückhaft zu Stande gekommen ist. Damit lässt sich auch sagen, dass wir deshalb zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte eine rechte Partei im Bundestag haben. So können verschiedene Stationen ihres Wirkens aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Außerdem hat sie die Energiewende konsequent durchgeführt, das kann man ebenfalls sowohl positiv als auch negativ sehen. Wir haben versucht die verschiedenen Wenden in ihrer politischen Geschichte und Entscheidungen so sauber rauszuarbeiten, dass man durchaus sein eigenes Urteil bilden kann und auch soll. Das ist die Idee dabei. Wir erzählen die Geschichte so genau und präzise, wie es geht, aber nicht total neutral, da wir die Leute auch auf Widersprüche hinweisen.

Die Welt wäre ohne Frau Merkel heute also eine andere?
Eine bessere oder schlechtere wage ich ehrlich gesagt nicht zu behaupten. Sie sehen das an gewissen Entwicklungen in verschiedenen Ländern. Wenn Sie die heutige Politik von Joe Biden betrachten, stellen Sie fest, dass er mit einer etwas sanfteren Vorgehensweise ganz viele Inhalte transportiert, die der Lautsprecher Trump polterig vorgetragen hat. Es gibt viele Dinge, die ganz ähnlich aussehen. Trump redet davon eine Mauer zu Mexiko zu bauen und Joe Biden schickt seine Vize-Präsidentin auf Tour nach Mexiko und Guatemala, um zu sagen: „Bleibt hier!“. Die Probleme bleiben dieselben, wie sie angepackt werden, das ist dann eine unterschiedliche Angelegenheit.

Welche waren Merkels größten Erfolge, welche Ihre schwersten Zeiten?
Die Glanzzeit besteht wahrscheinlich darin, dass wir immer noch in Wohlstand leben – die negative Seite besteht darin, dass die Staatsschulden fast unermesslich zugenommen haben. Man kann Merkel die Schuld zuschieben, es lässt sich aber auch sagen, es wäre nicht anders möglich gewesen die Corona-Krise zu überwinden. Es wird sicherlich in den nächsten Jahren viele wissenschaftliche und journalistische Arbeiten über diese Fragen geben.

Was denken Sie, wie wird es nach der Ära Merkel weitergehen?
Das weiß ich auch nicht. Ich glaube das wichtigste ist, und das ist eine Lehre, die man vielleicht so ähnlich wie aus der Amtszeit von Kohl und Adenauer ziehen kann, dass 16 Jahre Amtszeit zu viel sind. Ein Land muss sich daran gewöhnen, dass es politisch einen Wechsel gibt. Man darf nicht zu lange eine Person und damit auch ihr ganzes Umfeld an der Macht belassen, weil man dann verlernt, dass es auch einen Wechsel geben kann und in einer Demokratie auch einen geben sollte.

Sie sagten vorhin, Angela Merkel kann durchaus witzig sein. Wird man Frau Merkel nach dieser Doku anders wahrnehmen?
Man wird die Zusammenhänge besser verstehen können und genauer sehen, wie es beispielsweise zum Atomausstieg gekommen ist, wie der Atomkompromisses zwischen den Atomkraftwerkbetreibern mit der Rot-Grünen Regierung unter Gerhard Schröder zustande gekommen ist.  Wie Merkel dann die massive Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke durchgesetzt hat, gemeinsam mit der FDP und dann wenige Monate später – nach Fukushima – wieder auf Gegenkurs gegangen ist. Diese Art mit der Realität umzugehen und auch unterschiedliche Positionen in unterschiedlichen Zeiten zu begründen, das wird man ganz gut nachvollziehen können.

Welche Anekdoten haben Sie in den vielen Jahren mit Angela Merkel erlebt?
Wir haben versucht uns in dem Film auf das zu konzentrieren, was man mit filmischen Mitteln darstellen kann. Es wird sicherlich nicht der einzige Film sein, den es über Frau Merkel gibt. Bisher gibt es aber keinen, welcher ihre Geschichte filmisch so genau schildert, wie wir das versucht haben. Die Filme, die bis jetzt existieren, bestehen immer aus viel zusammengeschnittenen Material und Interviews mit Leuten, die Merkels Entscheidung aus ihrer eigenen Sicht schildern und kommentieren. Das wollten wir nicht.

In Ihrer Autobiographie schrieben Sie „Das Wichtigste ist die Neugier eines Journalisten nicht die Haltung“. Hat Sie das zu diesem Ausnahme-Journalisten gemacht?
So einen Begriff würde ich nicht verwenden. Bei mir ist es so gewesen, dass ich in der Tat immer neugierig war, ich wollte Sachen kennenlernen und diesen auf den Grund gehen. Ich kann auch meine Klappe nicht halten. Wenn ich etwas rausbekommen habe, möchte ich das auch anderen mitteilen. Dafür ist der Beruf als Journalist prädestiniert. Wenn ich ein politischer Aktivist hätte werden wollen, wäre ich möglicherweise in irgendeine NGO oder eine Partei gegangen. Das ist nicht mein Ding. Ich wollte, als verspätetes Kind der Aufklärung, Sachverhalte kennenlernen, Zusammenhänge herausstellen und so gut es auch geht Dinge aufdecken. Das ist mir im Grunde genommen das Wichtigste. Es fängt damit an, für welche Themen Sie sich interessieren und für welche Themen nicht, das ist natürlich schon ein persönliches Auswahlkriterium. Ich habe mich nie als Aktivist und jemanden gesehen, der den Menschen erzählen will, was sie denken sollen. Der alte Spruch von Rudolf Augstein „Sagen was ist“, ist glaube ich sehr richtig. Manchmal ist der Journalist auch einflussreicher, wenn er sagt, wie die Realitäten sind und nicht versucht Leute zu beeinflussen, zu beeindrucken und in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Was hätte Ihr Vater zu Ihrem Werdegang gesagt, es gab da mal eine Aussage über den Spiegel von ihm.
Die Anekdote habe ich immer erzählt, die stimmt auch. Nach der Sturmflutkatastrophe 1962 saßen wir bei den Nachbarn in der Wohnung, da wir in unserer überschwemmten Wohnung nicht mehr wohnen konnten. Im Fernsehen haben wir die Besetzung des SPIEGEL-Hauses durch die Polizei gesehen. Mein Vater, der den Spiegel gemeinsam mit anderen Zeitschriften in den Lesemappen immer mit ein paar Wochen Verspätung gelesen hat, sagte: „Hoffentlich wird das Scheißblatt endlich verboten“. Glücklicherweise musste er dann nicht mehr erleben, dass ich viele Jahre später für lange Zeit Chefredakteur dieses „Scheißblattes“ gewesen bin. 

 

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